Fontane an seinem Schreibtisch, Foto von 1894

Das Arbeitszimmer des Schriftstellers, in seiner letzten Berliner Wohnung in der Potsdamerstraße 34 – hier sind sie entstanden, die Romane. Nach dem Tod des Autors wollte man Fontane besonders nahe kommen, indem man im 1908 eröffneten Märkischen Museum das Arbeitszimmer nachbildete. Der Nachlassverwalter Paul Schlenther schrieb:

„Dies Zimmer müsste möglichst treu dem lieben alten Arbeits- und Freudenraume in der Pots[damer] St[raße] nachgebildet werden, gefüllt mit Th. F.-Reliquien, soweit sie habhaft sind.“ Tatsächlich erwarb das Märkische Museum den Schreibtisch Fontanes mit vielen Originalmanuskripten und einer Reihe von Gegenständen des persönlichen Gebrauchs. Diese haben sich erhalten, während der Schreibtisch seit dem 2. Weltkrieg verschollen ist.

Online zeigen wir jene Utensilien aus dem Arbeitszimmer, die die Zeit überdauert haben. Im Original können die einzelnen Exponate in beiden Ausstellungen bewundert werden.

Die Fotografie, die 1894 anlässlich seines 75. Geburtstages aufgenommen wurde, zeigt Fontane als würdevollen, alten Herrn inmitten von Manuskripten, Skizzen, Büchern, Schreibgeräten und Erinnerungsstücken. Das Foto wurde sorgfältig arrangiert, die Möbel im Arbeitszimmer für die Aufnahme zurechtgerückt. Fontane selbst und nach seinem Tod seine Frau Emilie verschenkten Abzüge dieses Fotos mit persönlichen Widmungen, ein Beispiel für das geschickte Selbst-Management des Dichters, der vom Schreiben leben musste.

Fangeballspiel

Fangeballspiel

Schon seit 1854 soll Fontane am Schreibtisch, zur Stärkung der „dichterischen Schaffenskraft (…) in Zwischenpausen“ (Rasch/Hehle 229) mit einem Fangeballspiel gespielt haben. Dieses Fangeballspiel hat er vermutlich in einem Sommerurlaub im Riesengebirge gekauft. Es lag stets auf seinem Schreibtisch und findet sogar eine poetische Verarbeitung im Stechlin. Hier greift eine der weiblichen Hauptfiguren zu diesem Ballbecher, wenn es gilt, „leere Minuten auszufüllen“. Armgard „spielte das Spiel sehr geschickt, und es gab immer einen kleinen hellen Schlag, wenn der Ball in den Becher fiel“. (GBA I,17 128)

Zu sehen in der Ausstellung fontane.200/Autor in Neuruppin vom 30. März 2019 bis 30. Dezember 2019.

Fangeballspiel aus dem Besitz von Theodor Fontane, 1854
© Stiftung Stadtmuseum Berlin,
Reproduktion: Oliver Ziebe, Berlin

Geodreieck

Geodreieck

Das Geodreieck gehörte zu den Utensilien, die ihren Platz auf Fontanes Schreibtisch fanden. „Ausgerechnet!“, findet die Kuratorin der Ausstellung fontane200/Autor. Denn Fontane schreibt in seiner Biographie Von Zwanzig bis Dreißig: „Nur keine linealen Korrektheiten, nur nichts Symmetrisches oder Blankpoliertes oder gar Anti-Macassars [Schonüberzüge]. Alles modern Patente, was doch sehr was anderes als Schönheit ist, ist mir von jeher unausstehlich oder mindestens sehr langweilig gewesen, während alles Krumme und Schiefe, alles Schmustrige, alles grotesk Durcheinandergeworfene von Jugend auf einen großen Reiz auf mich ausgeübt hat.“ (GBA III,3 74)

Zu sehen in der Ausstellung fontane.200/Autor in Neuruppin vom 30. März 2019 bis 30. Dezember 2019.

Geodreieck aus dem Besitz von Theodor Fontane
© Stiftung Stadtmuseum Berlin
Reproduktion: Oliver Ziebe, Berlin

Landkarte

Landkarte

Die Landkarte diente Fontane für seine Reisevorbereitungen bei den Recherchefahrten in Brandenburg. Für die Ausstellung fontane.200/Brandenburg - Bilder und Geschichten werden wir die Reisewege des Autors rekonstruieren.

Zu sehen in der Ausstellung fontane.200/Brandenburg - Bilder und Geschichten in Potsdam vom 7. Juni 2019 bis 30. Dezember 2019.

Ferdinand A. v. Witzleben
Karte des Zauch-Belzigschen Kreises
Farblithographie© Stiftung Stadtmuseum Berlin

Brieföffner

Brieföffner

Wie Feder, Federmesser, Tintenfass, Siegellack und Petschaft gehörte auch der Brieföffner zur Schreibtischgarnitur des bürgerlichen Haushalts im 19. Jahrhundert. Er verweist auf die ausufernde Korrespondenz Fontanes.

Zu sehen in der Ausstellung fontane.200/Brandenburg - Bilder und Geschichten in Potsdam vom 7. Juni 2019 bis 30. Dezember 2019.

Brieföffner aus dem Besitz Theodor Fontanes
© Stiftung Stadtmuseum Berlin

Standuhr

Standuhr

Die Standuhr ist auf dem historischen Foto des Arbeitszimmers nicht zu sehen, wir wissen aber, dass Fontane die Familienstanduhr  trotz der begrenzten Platzverhältnisse in sein Arbeitszimmer stellte. Die Uhr ist das älteste Erinnerungsstück der Familie Fontane, in deren Besitz sie über sechs Generationen war.

Zu sehen in der Ausstellung fontane.200/Autor in Neuruppin vom 30. März 2019 bis 30. Dezember 2019.

Standuhr aus dem Besitz Theodor Fontanes, um 1790
©Museum Neuruppin

Fontane über die Standuhr im Familienbesitz in einem Brief an Hermann Sommerfeldt, 28.10.1867
Tintenfass

Tintenfass

Ohne Zweifel einer der wohl wichtigsten Gegenstände auf dem Schreibtisch des Schriftsteller. In der Ausstellung fontane.200/Brandenburg - Bilder und Geschichten werden wir der Textgenese Fontanes in Bezug auf Brandenburg besondere Aufmerksamkeit schenken.

Zu sehen in der Ausstellung fontane.200/Brandenburg - Bilder und Geschichten in Potsdam vom 7. Juni 2019 bis 30. Dezember 2019.

Tintenfass,2. Hälfte 19. Jahrhundert
© Stiftung Stadtmuseum Berlin

Globus

Globus

Wie auf dem Foto von Fontanes Arbeitszimmer zu sehen ist, stand dieser Globus auf dem Schrank des Autors, er war ein Erbstück oder Geschenk, das Emilie Fontane von ihrem Adoptivvater erhielt. Fontane erwähnt seinen Schwiegervater in seiner Biographie: „Rat Kummer, der überhaupt ein Tausendkünstler war – er ist unter andrem auch der Erfinder der Reliefkarten und -globen und hat sich dadurch ein wirkliches, der Erdkunde zugutekommendes Verdienst erworben (…)“ (NAXV s.315)

Zu sehen in der Ausstellung fontane.200/Brandenburg - Bilder und Geschichten in Potsdam vom 7. Juni 2019 bis 30. Dezember 2019.

Karl Wilhelm Kummer, Physikalischer Reliefglobus, Berlin, um 1835
© Stiftung Stadtmuseum Berlin
Reproduktion: Michael Setzpfandt, Berlin

Schreibtischstuhl

Schreibtischstuhl

Neben der Standuhr im Museum Neuruppin ist dieser Stuhl das einzig erhaltene Originalmöbel aus Fontanes Arbeitszimmer. Der Stuhl weist eine aufwändige Polsterung (sog. careau pické) auf. Er wurde für die Ausstellung fontane.200/Brandenburg - Bilder und Geschichten restauriert und wird erstmals wieder öffentlich präsentiert.

Zu sehen in der Ausstellung fontane.200/Brandenburg - Bilder und Geschichten in Potsdam vom 7. Juni 2019 bis 30. Dezember 2019.

Schreibtischstuhl von Theodor Fontane
© Stiftung Stadtmuseum Berlin
Reproduktion: Michael Setzpfandt, Berlin

Wandbild

Wandbild

Der bekannte Kupferstich hing in Fontanes Arbeitszimmer. Er verweist auf das große Interesse Fontanes an der preußischen Geschichte.

Zu sehen in der Ausstellung fontane.200/Brandenburg - Bilder und Geschichten in Potsdam vom 7. Juni 2019 bis 30. Dezember 2019.

Heinrich Anton Dähling nach Edward Francis Cunningham, Rückkehr Friedrich I. nach einem Manöver, Kupferstich, 1808
© Stiftung Stadtmuseum Berlin

Schreibtischfoto mit Widmung von Emilie Fontane

Diese zum 75. Geburtstag des Dichters entstandene Fotografie ließ Emilie Fontane nach dem Tod des Autors dem Märkischen Museum zukommen. Emilies Widmung lautete: „Frau Theodor Fontane bittet das kleine Geschenk freundlich anzunehmen. Berlin d. 20. Dec. 1898“.  Als das Museum 1908 eröffnet wurde, befand sich darin ein Fontane-Schauraum mit den 1902 überlassenen und weiteren, inzwischen angekauften Stücken.

Zander & Labisch
Fontane am Schreibtisch sitzend.
Berlin, 1894
© Stiftung Stadtmuseum Berlin

Briefwaage

Briefwaage

Die häufig zum Einsatz kommende Briefwaage steht für die Briefe und Korrespondenzen, die Fontane verfasste.

In der Ausstellung fontane.200/Brandenburg - Bilder und Geschichten spielt das Netzwerk Fontanes, das er mittels Briefen pflegte, eine zentrale Rolle, denn nur so konnte er die Informationen für die Wanderungen zusammentragen.

Zu sehen in der Ausstellung fontane.200/Brandenburg - Bilder und Geschichten in Potsdam vom 7. Juni 2019 bis 30. Dezember 2019.

Das Theodor Fontane-Archiv zeigt online eine Bibliografie von Briefe von und an Fontane

Briefwaage. 2. Hälfte 19. Jahrhundert
© Stiftung Stadtmuseum Berlin