aufgeschlagenes Notizbuch, C5, Beschreibung von Gotha

Die Grundlage für Fontanes Werke bildeten seine Notizbücher. Er trug sie ständig bei sich und notierte unterwegs alles, was ihm für seine Schreibvorhaben als nützlich erschien. Wir finden in seinen Notizbüchern Einträge für Theaterkritiken, für Kriegsberichte, ganze Textentwürfe, Romangliederungen und Zeichnungen, aber auch ganz profane Einkaufs- und Packlisten. Neben seinen Notizbüchern nutzte er für  Aufzeichnungen auch große Papierumschläge, auf denen wir Figurencharaktere, Romanentwürfe, Szenenfolgen und Dialoge finden. Wenn er einen bezahlten Schreibauftrag erhielt, und erst dann, griff Fontane auf diese „Stoffsammlung“ zurück, setzte er daraus seine Romane zusammen. Wie unsere Kuratorin Heike Gfrereis in der Ausstellung in Neuruppin zeigt, geschah dies „manchmal und wie damals in Zeitungsredaktionen üblich sehr handfest mit Schere und Klebstoff“.

Fontane selbst schrieb  über seine Arbeitsweise an seine Frau Emilie: „Ich ordne, gruppire, erfinde, nur das Gestalten glückt nicht“. (24.7.1884, GBA XII,3 433)

„Sobald das Gestalten zu glücken schien“, so die Kuratorin, „schrieb Fontane längere Textstrecken – und zwar zunächst einmal schnell und ins Unreine. Dann überarbeitete er sie und ließ sie, wenn sie ihm fertig schienen, abschreiben (meist von seiner Ehefrau Emilie). Dann korrigierte er wieder, bis in die Druckfahnen hinein.“

Fontanes Notizbuch, C5, 1873

Von der Notiz zum Werk

Dank der Notizbücher können wir gelegentlich  Fontanes Arbeitsweise vom Ursprung bis zum Abschluss seines Werkes nachvollziehen und den Weg von der Notiz bis zur literarischen Verarbeitung sehen.  Online zeigen wir  nach und nach, bei welchen Werken des Autors, die in unseren Ausstellungen eine Rolle spielen, dies im Details rekonstruiert werden kann.

Sammlung von Fontanes Notizbücher

Notizbücher in den Ausstellungen

In den beiden Ausstellungen zeigen wir alle 67 erhaltenen Notizbücher von Fontane. Aus konservatorischen Gründen, da das Papier nicht zu lange dem Licht ausgesetzt werden darf, müssen die Notizbuchseiten während des Ausstellungszeitraums immer wieder umgeblättert werden. Digital können wir hier im Laufe des  Ausstellungszeitraumes aber alle aufgeschlagen Seiten zeigen und die unterschiedlichen Notizen Fontanes betrachten.

Collage aus allen Satzzeichen Satzzeichen aus den ersten drei Kapiteln von Effi Briest

Warum Fontane?

Für die Ausstellung fontane.200/Autor haben wir mit 13 Literaturspezialist*innen gesprochen und 13 Fragen gestellt, unter anderem haben wir gefragt: „Warum Fontane lesen und lieben oder auch nicht?“ Oder: „Warum erzählt Fontane langweilige Dinge so ausführlich?“